23.08.2019

Liebe Nachbarn in Potsdam-Waldstadt,

liebe Bewohner*innen, wir möchten uns mit einem dritten offenen Brief an sie wenden.

 

Vor 40 Jahren bezogen die ersten Mieter im Wohngebiet Waldstadt II eine Wohnung, in einem Block am heutigen Kiefernring. Für uns ein Anlass kurz auf die Geschichte und das Zusammenleben im Stadtteil zu blicken.

1972 fand die Grundsteinlegung des ersten Gebäudes der Waldstadt II statt - eine Berufsschule am nördlichen Ende der heutigen Saarmunder Straße. Heute stehen hier der Büro-Neubau einer Wohnungsgenossenschaft und Teile des „Quartier Waldgarten“.

Als zweites Gebäude entstand bis 1978, lange vor den ersten Wohnungen, die „SED-Bezirksparteischule“, das spätere Residence-Hotel.

Noch älter sind die Ursprünge der Waldstadt I. So stammt die Stadtrandsiedlung mit ihrer süddeutschen Architektur aus den 30er Jahren. Von „Waldstadt“ war damals noch keine Rede, der Name entstand erst in den 50er Jahren. Dennoch gehört die Stadtrandsiedlung dazu, genauso wie die allerneuesten Quartiere am Jagenstein, die Geschichte des Plattenwerks, das Brunnenviertel oder die Neubauten der 90er Jahre am Waldstadt-Center und an der Drewitzer Straße.

Das alles ist die eine Waldstadt, wie es von Anfang an gedacht war. Schon 1964 während der Planungen legte die damalige Oberbürgermeisterin Brunhilde Hanke Wert darauf, dass die Waldstadt gestalterisch „nicht zweigeteilt“ werde*. Gleichzeitig bleibt die Waldstadt ein sehr dynamischer Stadtteil: Einige der architektonischen Wegmarken existieren gar nicht mehr oder wurden komplett verwandelt. Es sind neue kleine Quartiere und Orientierungspunkte entstanden und die Architektur ist vielseitiger geworden.

 

Der Stadtteil war immer modern und er ist es auch heute. Das ist damals guten Planern zu verdanken gewesen und spiegelt sich heute mit vielseitigen Akteuren und einer interessierten, bunt gemischten und gebildeten Bewohnerschaft auch im Zusammenleben wider. Daraus hat sich eine moderne Kiezkultur entwickelt, die sich vielfältig zusammensetzt, anspruchsvoll, kommunikativ und an der Gegenwart ausgerichtet ist.

 

An diesem Level orientieren wir uns. Der Breitband e.V. arbeitet mit Partnern zusammen, deren Handlungsmuster und Angebote diese Kultur ebenfalls leben. Das bedeutet im Gegenzug auch, dass wir Abstand wahren zu Interessengruppen deren Arbeitsweisen oder Veranstaltungen wir nicht mit diesen Ansätzen vereinbaren können. Moderne Stadtteilarbeit bedeutet präsent und erreichbar zu sein, aber nicht auf jeder Bühne stehen zu müssen.

 

An ihren Fragen und Meinungen zu diesem Thema sind wir stets interessiert. Sie können uns damit am besten per E-Mail oder im Hanns-Eisler-Klub erreichen. Wenn sie Fotos oder anderes Material aus der Geschichte der Waldstadt haben, können sie sich ebenfalls gerne bei uns melden, da wir eine Ausstellung zu dem Thema vorbereiten.

 

*Quelle: PNN, 6.7.2004 „Langer Weg zur Waldstadt II"

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